Erste Mitgliederversammlung vor vollem Haus

 

 

Das sparsame Wohnen auf kleiner Fläche begeistert auch in der Schweiz immer mehr Menschen. Das zeigte sich anlässlich der ersten Mitgliederversammlung des «Vereins Kleinwohnformen Schweiz» am 7. April in Bern. Rund 130 Personen folgten der Einladung des Vorstands. Und sie repräsentierten die stattliche Zahl von 760 Mitgliedern, welche dem Verein bis dato beigetreten sind.

 

Der Zulauf unterstreicht auch die Wichtigkeit einer Interessenvertretung. Denn Kleinwohnformen, so sehr sie einem Bedürfnis entsprechen, sind

hierzulande noch längst nicht etabliert. Es fehlen einheitliche, rechtliche Grundlagen, was auch deshalb nicht einfach ist, weil Kleinwohnformen sehr viele Typen umfassen. Eine gewisse Popularität haben inzwischen sogenannte Tiny Houses erhalten. Aber auch Zirkus- oder Bauwagen fallen darunter oder gar Baumhäuser. Um die Begrifflichkeiten zu klären, aber auch um die Ziele und Massnahmen des Vereins  festzuhalten, gehörte zur Aufbauarbeit die Formulierung eines Positionspapiers, das pünktlich zur Mitgliederversammlung vorlag.

Zu den Aufbauarbeiten zählte auch die Schaffung einer solideren Informationsbasis. Mit Umfragen unter Bewohnerinnen und Bewohnern von kleinen Wohnformen sollte ermittelt werden, wer unter welchen Bedingungen lebt. Da indes die verschiedenen Bauvorschriften in den Gemeinden mitunter die grössten Hürden für die Realisierung von Kleinwohnform-Projekten darstellen, bemühte sich der Verein auch um Informationen aus den Kommunen. Diese werden in eine Karte einfliessen, die Projektwilligen den Umgang mit den Behörden erleichtern soll.

Ein Informationsdefizit besteht aber auch seitens der Kommunalbehörden. Seine Kommunikationsarbeit widmete der Verein deshalb dem Abbau von Vorurteilen: Bewohnerinnen und Bewohner von Miniaturbehausungen sind Menschen aus der gesellschaftlichen Mitte und bringen den Gemeinden Mehrwehrt; zudem haftet Kleinwohnformen inzwischen ein positives Image an, von dem Gemeinden profitieren können.

Doch der Verein setzt nicht nur auf Goodwill, er will auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern. Dabei geht es oft um Details wie etwa den Wärme- oder Brandschutz eines Gebäudes. In drei kantonalen Parlamenten – Zürich, Basel-Stadt und Basel-Land – wurden deshalb bereits Postulate eingereicht. Während es in Zürich und Basel-Land um die generellen Bedingungen für Kleinwohnformen geht, hat die Städtische Regierung bereits den konkreten Auftrag erhalten, eine Sonderbewilligung für Kleinwohnformen zu schaffen. Wie Gründungspräsidentin Fiona Bayer erklärte, sollen bis 2020 in allen Schweizer Kantonsparlamenten ähnliche Vorstösse eingereicht werden. Auch die Sondierungsarbeit bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie in den Gemeinden wird im laufenden Jahr weitergeführt.

Professionalisierung
Der siebenköpfige Vorstand sowie die Mitglieder der verschiedenen Arbeitsgruppen sind ehrenamtlich tätig. Nicht allein das rasante Wachstum, sondern auch die Vielzahl der Aufgaben haben dieses System schon im ersten Jahr an die Leistungsgrenze gebracht. Auf 2020 hin bewilligten die Mitglieder eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags von 50 auf 75 Franken. Mit den zusätzlichen Mitteln soll eine Geschäftsführung im 20%-Pensum angestellt werden. Zudem ist in den Arbeitsgruppen sowie in der Kommunikation eine stärkere Professionalisierung geplant.

Ein System mit Firmenmitgliedschaften wurde an der Mitgliederversammlung zurückgestellt. Gleichzeitig hat der Vorstand die Zustimmung für Sponsoring- oder Werbekooperationen mit Unternehmen erhalten.

Bereits nach dem ersten Jahr gibt es Veränderungen in der Vorstandszusammensetzung auf Grund der Intensität des Ehrenamtes. Fiona Bayer tritt als Präsidentin ab. Sie will sich nach einem arbeitsintensiven Aufbaujahr wieder vermehrt ihrem Studium und dem Bau ihres eigenen Tiny Houses widmen. Ebenfalls zurückgetreten sind die Vorstandsmitglieder Kevin Rechsteiner und Monika Vins. An ihre Stelle treten Alesch Wenger, Markus Mühlbacher und Sarah Duss. Die Vorstandsmitglieder Jonas Bischofberger, Ariane Pollo, Tanja Schindler und Thomas Vins wurden bestätigt. Einstimmig hiessen die Mitglieder eine Namensänderung gut. So wurde der Vereinsname auf «Verein Kleinwohnformen Schweiz» verkürzt. Für das Jahr 2019 rechnet der Verein mit einem Budget von 33’000 Franken, wobei dieses noch auf einer tieferen Mitgliederzahl errechnet wurde.

 Bilder: Manuel Lopez / manuellopez.com