Wenn man an Tiny Houses denkt, stellt sich oft eine grosse Frage: Ist das wirklich günstiger als eine klassische Wohnung oder ein Haus? Die kurze Antwort: Nein, meistens nicht! Die längere Antwort ist allerdings deutlich komplexer – und genau darum geht es in diesem Post.
Wer schreibt hier?
Ich bin Michi, und zusammen mit meiner Frau lebe ich seit September 2022 in einer offiziell bewilligten Kleinwohnform. Unser Zuhause misst genau 36 m² – 18 m² pro Person. Eine grosse Umstellung? Ja! Aber es ist eine bewusste Entscheidung, die wir nicht bereuen. Wir fühlen uns hier unglaublich wohl und könnten uns aktuell kein anderes Leben vorstellen. In dieser Kolumne möchte ich meine Erfahrungen teilen und ein realistisches Bild davon vermitteln, was es bedeutet, in einem Tiny House zu leben – abseits von romantisierten Social-Media-Posts.

Weniger Raum, aber nicht weniger Kosten
Unser Tiny House steht auf einem 250 m² grossen, gemieteten Grundstück. Klingt nach einer kostensparenden Lösung, oder? Doch die Realität sieht ein wenig anders aus.
Für unser Tiny House haben wir knapp CHF 220’000.- bezahlt – das entspricht rund CHF 6’100.- pro Quadratmeter Wohnfläche. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 kostete ein Quadratmeter Wohnfläche für ein neues Einfamilienhaus in der Schweiz zwischen CHF 2’500.- und 4’000.-. Das bedeutet, dass wir gut und gerne das Doppelte bezahlt haben. Und dabei war das nur der Anfang.
Zusätzliche Kosten, die oft vergessen werden.
Neben den Kosten für das Haus selbst, kommen noch einige weitere Posten hinzu:
Und dann ist da noch die grösste Herausforderung: ein passendes Grundstück finden. In der Schweiz ist das kein Sprint, sondern ein Marathon. Es gibt zahlreiche Vorschriften, von Bauzonen über Anschlussmöglichkeiten bis hin zu langfristigen Mietverträgen.
Warum also ein Tiny House, wenn es nicht günstiger ist?
Wenn ein Tiny House pro Quadratmeter teurer ist als ein normales Haus und die Suche nach einem Stellplatz eine echte Herausforderung sein kann – warum dann überhaupt?
Für uns war es eine bewusste Entscheidung. Kostenersparnis war nicht unser Hauptmotiv, sondern die Möglichkeit, auf eine ganz andere Art zu leben: kleiner, einfacher, nachhaltiger. Kein überflüssiger Platz, kein unnötiger Konsum, weniger Verpflichtungen. Ein Tiny House zwingt dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – und genau das empfinden wir als grossen Gewinn.
Fazit: Tiny House ist keine Sparlösung, sondern ein Lebensstil
Wer ein Tiny House nur aus finanziellen Gründen in Betracht zieht, wird schnell merken, dass die Rechnung nicht so einfach aufgeht. Günstiger Wohnen? Vielleicht – wenn man viel Eigenleistung einbringt und einen günstigen Stellplatz findet. Aber oft zahlt man drauf.
Der wahre Vorteil liegt woanders: In der Freiheit, in der Reduktion auf das Wesentliche und in der Möglichkeit, bewusst anders zu leben.
Tiny Houses sind keine Low-Budget-Alternative zu klassischen Wohnformen. Sie sind eine bewusste Entscheidung für ein einfacheres, kompakteres Leben – und für uns fühlt es sich genau richtig an.
Weitere Beiträge zum Thema Finanzen
KWF Planung & Finanzen
Wenn Du den Traum von einer Kleinwohnform verwirklichen möchtest, ist eine realistische Planung das A und O. In diesem Beitrag findest Du alle wichtigen Informationen und weiterführende Links zu den drei Grundpfeilern eines erfolgreichen KWF Projektes. ...
Webinar: Reality Check – Grundstücke und Finanzen
Träumst du von deinem eigenen Kleinwohnform-Projekt? Vielleicht hast du schon Pläne geschmiedet oder dich von Bildern und Facebook-Gruppen inspirieren lassen. Aber wie realistisch sind deine Vorstellungen? In unserem Webinar erfährst du, was wirklich möglich ist – bezogen ...
Total einverstanden mit der Aussage zum „günstigen“ Wohnen.
Wir, die Gerber Holzbau Bern AG, haben soeben unsere ersten Tiny Houses verkauft und helfen gerne an alles zu denken, was gerne vergessen geht.