Dieser Artikel beleuchtet die Thematik der Wärmedämmung von Kleinwohnformen. Er zeigt auf, welche Vorschriften an die Gebäudehülle bei Wohngebäuden gelten und was es beim Dämmen einer Kleinwohnform zu beachten gibt. Mit dem Ziel, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, um eine Baubewilligung zu bekommen.

Gebäudehülle

Die Gebäudehülle ist die äussere Schicht eines Gebäudes, die es vor Witterungseinflüssen schützt und die Wärme im Inneren hält. Die Wärmedämmung ist ein wichtiger Bestandteil der Gebäudehülle, da sie den Wärmeverlust durch die Fassade, das Dach, die Fenster und den Boden reduziert. Eine gute Wärmedämmung kann den Energieverbrauch und die Heizkosten eines Gebäudes erheblich senken, sowie den Wohnkomfort und den Wert der Immobilie erhöhen.

In der Schweiz gehören Gebäude zu den grössten Energieverbrauchern. Rund 32 Prozent der in der Schweiz verbrauchten Energie flossen 2021 in den Bereich Raumwärme, also das Heizen¹.

Vorschriften

Um die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern und die Klimaziele zu erreichen, gibt es in der Schweiz gesetzliche Vorschriften. Für Kleinwohnformen sind die MuKEn14² am relevantesten. Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich dienen als Vorlage für die Umsetzung der Energievorschriften. Sie beinhalten unter anderem Vorschriften zur Dämmung der Gebäudehülle. Generell legt die MuKEn die Mindestanforderungen an die energetische Qualität von Neubauten und Umbauten an bestehenden Gebäuden fest. Die MuKEn werden kantonal umgesetzt und können je nach Kanton variieren.

Die grösste Hürde für die Dämmung von Kleinwohnformen ist die Vorgabe von tiefen U-Werten an der Gebäudehülle. Damit soll der Wärmeenergieverbrauch von Gebäuden tief gehalten werden und grosse Wärmeverluste durch die Gebäudehülle verhindert werden. Bei Kleinwohnformen schränkt eine dicke Dämmung den Innenraum ein, denn die Gebäudebreite ist aufgrund der Transportmöglichkeit begrenzt. Somit lässt sich oft nur mit viel Aufwand, dem Verbauen von erdölbasierten Dämmstoffen und zusätzlichen Kosten die Vorschriften einhalten.

Da Kleinwohnformen durch ihr geringes Volumen grundsätzlich einen tiefen Wärmeenergieverbrauch haben, sind Anforderungen an die Dämmung in diesem Ausmass nicht verhältnismässig.

U-Werte

Die Wärmeleitfähigkeit eines Dämmstoffs wird durch den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) definiert. Dieser gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Temperaturdifferenz durch den Dämmstoff fliesst. Je niedriger der U-Wert, desto besser die Dämmwirkung. Die MuKEn14 schreiben für verschiedene Bauteile der Gebäudehülle maximale U-Werte vor, die je nach Kanton und Gebäudetyp variieren können.

Generell kann mit folgenden Werten gerechnet werden:

  • Fassade: 0.17 W/m²K
  • Dach: 0.17 W/m²K
  • Fenster: 1.0 W/m²K
  • Boden: 0.25 W/m²K

Dämmstoffe

Die Wahl geeigneter Dämmmassnahmen hängt von verschiedenen Faktoren, wie dem Zustand des Gebäudes, dem Budget, dem gewünschten Komfort und dem ästhetischen Anspruch ab. Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten von Dämmstoffen, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. Bei einer Kleinwohnform sollte, wenn möglich, auf natürliche Materialien gesetzt werden. Diese wirken sich positiv auf das Raumklima aus und sind bei kleinen Wohnräumen von Vorteil. Des Weiteren ist deren CO₂-Fussabdruck kleiner, was zu einer ökologischen Wohnform beiträgt.

Natürliche Dämmstoffe

wie Holzfaser, Zellulose, Hanf, Seegras oder Schafwolle, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Sie zeichnen sich durch eine gute Ökobilanz, eine hohe Feuchtigkeitsregulierung und ein angenehmes Raumklima aus.

Beispiel Holzfaser: Hat eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0.04 W/mK. Um einen U-Wert von 0.2 W/m²K zu erreichen, benötigt man eine Dämmung von etwa 16 cm Dicke.

Mineralische Dämmstoffe

wie Glaswolle, Steinwolle oder Schaumglas, die aus natürlichen oder synthetischen Mineralien hergestellt werden. Sie zeichnen sich durch eine gute Wärmeleitfähigkeit, einen guten Brandschutz und eine hohe Schalldämmung aus.

Beispiel Glaswolle: Hat eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0.035 W/mK. Um einen U-Wert von 0.2 W/m²K zu erreichen, benötigt man eine Dämmung von etwa 14 cm Dicke.

Organische Dämmstoffe

wie Polystyrol (EPS oder XPS), Polyurethan (PUR oder PIR) oder Phenolharz (PF), die aus synthetischen Kunststoffen hergestellt werden. Sie zeichnen sich durch eine sehr gute Wärmeleitfähigkeit, eine hohe Druckfestigkeit und eine geringe Wasseraufnahme aus.

Beispiel EPS (Styropor): Hat eine Wärmeleitfähigkeit von etwa 0.035 W/mK. Um einen U-Wert von 0.2 W/m²K zu erreichen, benötigt man eine Dämmung von etwa 14 cm Dicke.

Fazit

Das Thema Dämmung ist komplex. Wenn diese richtig umgesetzt wird, kann es eine Hilfe sein, um eine Bewilligung zu bekommen. Zusätzlich trägt sie zu einem guten Wohnklima bei. Wir empfehlen das Beiziehen einer Fachperson, sodass der Wandaufbau und die Konstruktion so gewählt werden, dass diese nachhaltig ihren Dienst erfüllen.

Quellen:
(1) Durch die Gebäudehülle verpuffte Energie – Energie-Experten. https://www.energie-experten.ch/de/wohnen/detail/durch-die-gebaeudehuelle-verpuffte-energie.html.
(2) «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich» MuKEn
https://www.endk.ch/de/energiepolitik-der-kantone/muken

ÜBER TOBIAS

Tobias liebt das einfache Leben, die Natur und die Gemeinschaft. Er ist Co-Präsident vom Verein und ist zudem für die Stellplätze verantwortlich und leitet den Stammtisch Aargau.

Tobias Hostettler | Co-Präsident